zurück zu Hause

Wir sind wieder zu Hause. Wenn wir sagen, wo wir waren, reagieren viele Leute erschreckt und ich habe irgendwie fast ein schlechtes Gewissen zu sagen, dass die Katastrophe so spurlos an uns in Mindanao vorbeigegangen ist. Wir fragen uns, ob wir - wenn wir im Katastrophengebiet gewesem wären, respektive Mindanao betroffen gewesen wäre - wir überhaupt hätten helfen könnten. Wenn kein Essen und sauberes Wasser mehr vorhanden ist, könnten wir auch keines abgeben. Allerdings weiss ich nicht, wie das denn nun tatsächlich in so Katastrophengebieten ist und ob nicht doch vielleicht die Reichen weiterhin auf ihren Nahrungsmittelreserven sitzen bleiben oder mit genug Geld die letzten Nahrungsmittel erwerben können. Gerade heute habe ich gelesen, dass ein Reisdepot geplündert worden sei. Der Gedanke, dass tausende von Leuten hungern und unweit davon tonnenweise Reis lagert, finde ich schlimm. Wenn ich an die Bürokratie auf den Philippinen denke und dass jeweils eine Person nur für einen kleinen Teilbereich in einer Firma, Bank usw verantwortlich ist, dann kann ich mir vorstellen, dass es der Regierung wegen mangelder kurzen und spontanen Entscheidungswege nicht möglich ist, diesen lagernden Reisbestand aufzukaufen.

Die Schweizer und viele andere Länder werden nun viel Geld spenden für die Philippinen - und das ist auch gut so. Dass so viel wie möglich Gutes getan wird mit diesem Geld, bleibt unsere Hoffnung und vor allem dass die Hilfe schnell ankommt.

So schliessen wir nun diese Blogreihe in Gedanken an die Sturmopfer auf Leyte und den anderen betroffenen Gebieten und mit Dankbarkeit dafür, dass unsere Freunde in Romblon und unsere Kinder und deren Familien in Calaanan verschont blieben.

Liebe Grüsse und danke fürs Lesen

Franca und Mäge

14.11.13 05:49, kommentieren

letzte Woche

Die letzte Woche in Cagayan de Oro vergeht wie im Flug. Am Mittwoch findet ein Treffen mit den College Eltern und den College-Schülern statt. Sie kommen sogar recht pünktlich und scheinen zu verstehen, dass wir strenger reagieren müssen, wenn sie den kleinen Beitrag, den sie für die Studenten zahlen müssen, nicht einzahlen.
Während man bei uns in der Schweiz Betonung auf Eigenverantwortung legt, muss man hier den Leuten klar machen, dass negatives Handeln Konsequenzen hat. In einer Gesellschaft, in der man Konflikten und Kritik aus dem Weg geht, sind Konsequenzen für Unterlassungen, Faulheit oder unfaires Handeln meist nicht direkt erkennbar. Dazu kommt, dass es hier für die Leute viel normaler ist, einfach zu nehmen ohne etwas zurückzugeben - z.B wird von Familienmitgliedern, die einen guten Job haben, erwartet, dass sie einen Teil ihrer Einkünfte den Verwandten geben, die keine Arbeit haben oder nur wenig arbeiten (wollen).
Grundsätzlich sind wir aber sehr zufrieden mit unseren Studenten und Studentinnen und wir freuen uns schon sehr, wenn nächsten April sieben davon ihnen Studienabschluss feiern können.

Am Nachmittag gehen wir nochmals in eine andere Ecke des Umsiedlungscamps und am Abend treffen wir zufällig die Bankmanagerin unserer philippinischen Bank (sie hat uns damals ein Bankkonto eröffnen lassen, obwohl wir keine Niederlassung hatten und daraus ist ein sehr freundschaftlicher Kontakt entstanden), die uns aufgeregt von dem kommenden Taifun erzählt. Am nächsten Tag versuchen wir alles noch zu klären und zu erledigen für den Fall, dass wir am Freitag nicht mehr arbeiten können, was ja dann wegen der Evakuation von Thata tatsächlich nicht möglich ist, obwohl es nicht mal ein wenig windet und kaum Regen fällt. Am Samstag kommen wir aber noch zusammen während unsere Sozialarbeiterin zwei Programme für Schüler durchführt. Als wir uns von ihr später verabschieden, sind wir nicht sicher, ob wir sie nochmals sehen werden. Sie will versuchen, ihren Arbeitsbeginn bis April oder Mai zu verschieben, aber den definitiven Entscheid haben wir erst in zwei Wochen.

Thata, die Batulong Managerin

 Ein Küchenteam

Schulmaterial für die Collegestudenten

The wall

Vor dem Batulongcenter ist etwas passiert, was bei uns wohl nicht denkbar wäre wegen unserer historischen Vergangenheit. Das Batulongcenter liegt gegenüber der Primarschule in einem Wohngebiet, das P.N.Roa heisst. Gerade auf der anderen Strassenseite beginnt das "relocation site", der Umsiedlungsort. Nun haben die Eigentümer der Steinhäuser von P.N.Roa an einem Treffen, an das wir nicht eingeladen wurden, beschlossen, dass man eine Mauer zwischen den Umsiedlungsort und "das bessere Wohngebiet" errichtet, weil angeblich Menschen von der armen Seite zu ihnen aufs  Land kamen und es einige Einbrüche gegeben hat. Tatsächlich steht nun eine Mauer mitten in der Strasse, hinten gegen den Berg mit Stacheldraht abgeschlossen: unserer Meinung nach ein absoluter Schandfleck Noch kann man vorne um die Mauer herumgehen, aber sie werden sich wohl da auch noch etwas ausdenken. Es bleibt zu hoffen, dass auch hier, wie bei so vielen anderen Projekten auf den Philippinen, nach kurzer Zeit alles wieder beim Alten ist. Für uns ändert sich kaum etwas, die Kinder können immer noch direkt von der Schule und der Strasse vorne zu uns kommen und wir müssen halt um die Mauer herumgehen, um ins Relocationsite zu kommen.

Eigentlich sind ja alle Strassen in P.N.Roa nach Bäumen benannt - unsere heisst Yakal Street, hat aber keine Strassentafel. Nun scheint sich eine neue Adresse aufzudrängen:

Batulong Center, Wallstreet 1, Calaanan

 Impressionen vom Samstagsevent:

 

 Keno,der im April sein Lehrerstudium abschliessen wird, mit anderen Batulongkindern

 

10.11.13 06:25, kommentieren