Calaanan 1. Tag

Unser erster Arbeitstag für Batulong ist vorüber. und wir sind todmüde! Er fängt damit an, dass uns unsere Sozialarbeiterin ihre Kündigung überreicht. Sie wolle Neues lernen, auch wenn es ihr bei Batulong gefalle. Wir haben in Lynnette eine gute Mitarbeiterin und für uns ist ihr Weggehen schade und bedeutet nach drei Jahren von Neuem die Suche nach einer neuen Sozialarbeiterin. Aber dies muss noch bis nächsten April warten, wir brauchen dafür genug Zeit.
Am Nachmittag beginnen wir mit den ersten Hausbesuchen bei Familien, die ihre Kinder von Batulong unterstützt haben möchten.
Interessanterweise ergeben sich dann meist auch Gespräche mit ihren Nachbarn, die vermutlich zu schüchtern sind, bei uns um Hilfe anzufragen. Nach 5 Jahren Stiftung Batulong im Umsiedlungsort Calaanan haben zwar die meisten von dem Hilfswerk gehört, aber dennoch finden nicht alle Hilfsbedürftige zu uns und so freut es uns immer, wenn wir sie finden.
Unser dritter Hausbesuch führt uns zu Grosseltern, die für 5 Enkel verantwortlich sind, weil die Eltern sich getrennt haben und für ihre Kinder nicht mehr sorgen können oder wollen. Ein weiterer Enkel, 19 Jahre alt, ist dort mit seiner 17jährigen Frau und ihrem kleinen Kind und bringt uns zu seiner Familie: er hat vier jüngere Geschwister, wobei das 5- jährige schwer behindert ist. Auch seine Mutter ist getrennt von ihrem Mann und arbeitet 7 Tage die Woche als Waschfrau. Der 17-jährige Zweiälteste musste mit der Schule aufhören und versorgt nun tagsüber die kleine Schwester bis die andere Schwester aus der High School kommt, denn erst abends um 8 kommt die Mutter von der Arbeit....
Behindertenheime gebe es hier nicht, sagt Lynnette, und wo es sie gibt,  sei die Betreuung so schlecht, dass die Leute sich dann doch entscheiden, das Kind zu Hause zu betreuen.
Was können wir von Batulong aus hier tun? Sicher einmal etwas finanziellen Druck von der Mutter nehmen, indem wir den drei Kindern, die zur Schule gehen, alle Schulkosten zahlen. Vielleicht ist es möglich für den Betreuer des behinderten Mädchens in einer Abendschule (oder am Wochenende) die High School fertig zu machen. Weil das Geld für den Transport in die Stadt fehlte, wurde das kleine Mädchen auch noch nie von Ärzten untersucht - dies wollen wir auf jeden Fall möglich machen. Leider scheint es aber so, dass das Kind so schwer geistig behindert ist, dass es nicht in die Spezialschule in der Stadt gehen kann.
Nach so einem Besuch kommen bei mir viele Gefühle auf: einerseits bin ich froh, dass wir dort helfen können, andererseits scheint mir die Hilfe immer noch so gering angesichts der Armut und der schwierigen Situation. Was allerdings für uns unerträglich wäre, z.B eine Fläche von 7 m2 für 7 Personen zum Leben und Schlafen, ist für sie nicht so schlimm.
Froh bin ich, dass die drei schulpflichtigen Kinder nun jeden zweiten Tag ein gutes Mittagessen im Batulongcenter bekommen und gerade in Situationen wie diesen können wir auch mal eine Ausnahme machen und ein Kind jeden Tag kommen lassen.
Während ich dies fertig schreibe, ist ein neuer Tag in Cagayan de Oro angebrochen. Die Sonne scheint und es erwarten uns neue Besuche bei Familien, aber auch Buchhaltung mit der Managerin Thata.

 unten: Küche und WC ausserhalb des Hauses

30.10.13 03:41

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